Auf dem Weg zu jedem unserer Treffen passieren wir ein schlichtes Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße. Wäre da nicht der siebenarmige Leuchter, die Menora, über dem Eingang zum Gebäude, die wenigsten würden wohl darauf kommen, dass dieses Haus einst als Synagoge diente. Dafür war es schließlich auch nie gedacht.

Bereits 1913 als jüdisches Altersheim gegründet, wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der Speisesaal des ehemaligen Heimes zur Synagoge umgebaut – notgedrungen, denn die beiden prachtvollen Synagogen, die einst in Barmen und Elberfeld gestanden hatten, waren in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Flammen der Nazis zum Opfer gefallen. Es war die Reichspogromnacht, die den Beginn der offenen Verfolgung der Jüdinnen und Juden durch das Naziregime markierte.

Die Unterdrückung jüdischen Lebens in Wuppertal hatte jedoch viel früher begonnen – schon im März 1933 erschossen SA-Männer den Sozialdemokraten Oswald Laufer auf offener Straße, ab 1935 erfolgte die Zwangsenteignung jüdischer Geschäftsleute. Ende 1938 gab es in Wuppertal faktisch keine jüdischen Geschäfte mehr.

In der Nacht vom neunten auf den zehnten November 1938 brannte dann im gesamten Stadtgebiet jüdischer Besitz – darunter auch die beiden großen Synagogen. Wie sich im Rahmen von Nachkriegsprozessen herausstellte, waren selbst Feuerwehrleute aktiv an der Brandstiftung beteiligt.

Im Anschluss an die Pogromnacht wurden einhundert jüdische Männer verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Von den etwa 2500 Jüdinnen und Juden, die noch 1933 Wuppertal ihr Zuhause genannt hatten, erlebten nur 145 die Neugründung der jüdischen Gemeinde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Viele flohen, aber Hunderte fielen der Verfolgung, Deportation und schließlich der Ermordung in Konzentrationslagern zum Opfer.

Wann immer wir also das ehemalige jüdische Altersheim, die ehemalige Synagoge in der Friedrich-Ebert-Straße passieren, werden wir an den Grund erinnert, aus dem die jüdische Gemeinde sich dort zu treffen gezwungen war.

Wir werden erinnert an die niedergebrannten Synagogen, die Deportationen, die Morde.

Diese Erinnerung bestärkt uns in unserem Antifaschismus. Wir erinnern uns, um zu begreifen, wie ein solcher Wahnsinn entstehen konnte. Um zu verhindern, dass dem Nationalsozialismus ähnliche Strömungen in Deutschland an Einfluss gewinnen können.

Am heutigen 9. November erinnern auch wir als GRÜNE JUGEND Wuppertal daher an den Wahnsinn der Reichspogromnacht, den Beginn der systematischen Verfolgung und schließlich des industriellen Massenmordes an sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Es gilt, heute wie an allen Tagen:
Niemals wieder.